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Gastelternreisen

 

Gastelternreise nach Weißrussland vom 24.03. bis 31.03.2016

aus Anlass des 30. Jahrestages des Tschernobyl Unglückes

EIN BESUCH BEI FREUNDEN

 

Übersicht:

 

1. Obliigater Besuch der Hauptstadt Minsk

2. Besuch in Neglubka

3. Besuch in Paritschi

4. Besuch der Gedenkstätte Kinder-KZ „Rotes Ufer“

Zu 1

Erstmals flogen die fünf Mitglieder der Reisegruppe des Tschernobylkinder-Hilfevereins Großkmehlen e.V.  Martina Lorenz, Astrid Starke, Marie-Luise Just, R.B. und Hubert Pfennig nach Weißrussland.

Berlin BER – Minsk und zurück mit der BELAVIA. Damit machten wir mehr als einen ganzen Tag Reisezeit gut. Soja Jurowa und Sohn Andrey Jurow holten uns bereits am Flughafen ab.  Wir wurden von ihnen ständig betreut und begleitet. Zwei Übernachtungen in einem Hotel der Hauptstadt Minsk,  gleichzeitig mit der Anmeldung der Gruppe verbunden, sind Pflicht seitens des Landes. Mit dem Hotel „Jubiläum“ wurde für uns eines der besten der Stadt und mitten im Zentrum gelegen, ausgesucht.  Wir schauten aus dem 10.Stock auf die Stadt, nachts ein unbeschreibliches Lichtermeer.

Der Berichtende kennt Belarus bereits aus zurückliegenden Reisen 1996 und 2006.

Was sich hier bis heute verändert hat ist einfach großartig. Die Infrastruktur, die wunderschöne, gelungene Architektur, die Integration neu errichteter Wohngebäude, Theater und Museen in ältere, sanierte Bausubstanz  kann man als optimal und sehenswert beurteilen. Und, nicht zu vergessen: Minsk ist eine grüne, äußerst saubere Stadt. Fällt wirklich einmal etwas aus der Hand, ist in wenigen Minuten ein Reinigungstrupp auf Achse und sorgt wieder für Ordnung. 

Man kann zur Diktatur in Belarus stehen wie man will, die heute Verantwortung Tragenden haben sich hinsichtlich der Kirchen, der Glaubensausübung, wesentlich verändert.

Was vor 20 Jahren noch unvorstellbar war, heute ist man viel liberaler im Umgang mit Gläubigen. Die Kirchen, gleich welcher Konfession, erstrahlen in neuem Glanz. Wir haben am Ostersamstagabend bei einem Bummel einen riesigen Menschenauflauf vor der katholischen Kirche erlebt, in der gerade eine Messe stattfand –live übertragen vom Belarus-Fernsehen! Frauenchöre sangen, mit Lautsprecher nach außen übertragen, für alle gut hörbar. Ein Blickfang ist hier auch  der neue Glockenturm. Die katholische Kirche selbst  ist dort in der Minderheit, feiert aber auch Ostern wie wir in Deutschland. Das russisch-orthodoxe Osterfest wird erst Anfang Mai begangen.

Beispielhaft sind die Verkehrsregelungen mit Ampeln. Zusätzlich zu unseren Normen, ist an jeder Innenstadtampel ein Sekunden-Takter  sichtbar. Max. 60 Sekunden – man kann sich viel sicherer als Verkehrsteilnehmer im Großstadtverkehr bewegen, insbesondere die Fußgänger.

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S.2

Minsk, ob Flughafen, Haupt-Bahnhof, gläserne Bibliothek, Eisstadion, Theater, um nur einige zu nennen, bieten auf hohem Niveau alles, was das Herz begehrt.

Man kann davon ausgehen, das Minsk in jedem mittel- oder westeuropäischen Land eine gute Figur machen würde. Schauen sie sich das bitte selbst an: Visa in der Botschaft Belarus in Berlin beantragen, zeitig die Flüge buchen, dann ist man

für rund  230 € dabei. Eine Übernachtung ist ab ca. 60 €/Person zu haben.

Unsere Gastgeber haben alles perfekt organisiert. So sahen wir an einem Abend das Ballett „Spartakus“ mit Musik von Aram Chatschaturian und am zweiten waren wir im Staatszirkus zu  Gast bei der Clown-Akademie. Unvergessliche Stunden.

 

Um es vorweg zu nehmen: zwischen Hauptstadt und dem Hinterland klafft schon noch eine gewaltige Lücke, selbst wenn die Straßen im Lande, teilweise E - Straßen-Format haben und das Tankstellennetz beinahe mit unserem vergleichbar ist.

Zu 2

Besuch  in Neglubka

Am Ostersonntag fuhren wir,  begleitet von unserer Minsker Freundin Soja Petrowna Jurowa,  mit dem Kleinbus nach Neglubka. Auf dem Wege dahin besuchten wir das Gymnasium in der Kreisstadt Schlobin. Die Lehrerinnen waren sehr erfreut über unseren Besuch, selbst an einem Sonntag. Der Russisch-Club  der Grundschule

„AM SCHLOSS“ Großkmehlen hatte uns Briefe mitgegeben und wird sich über eventuell entstehende Brieffreundschaften sicher freuen. Das Gymnasium selbst ist eine moderne Bildungseinrichtung mit Fachkabinetten, auch eines für deutsche Sprache.

Dann setzen wir unsere Fahrt fort und erreichten am Nachmittag Neglubka. Wir sind sehr freundlich in der Schule empfangen worden. Es gab ein Treffen mit den Kindern, die im Vorjahr bei uns waren und ihren Eltern. Uns wurde auch die neue Reisegruppe vorgestellt, die wir in diesem Sommer (30.06. – 27.07.) erwarten. Am Montag folgte für die deutschen Gäste  anlässlich des 60-jährigen Bestehens des neuen Schulgebäudes  ein Empfang mit Brot auf handgewebten Tuch – Power-Point-Präsentation zur Schulgeschichte in deutscher Sprache von Nastja Jaschnik (21 Jahre), eine von 6 ehemaligen Gastkindern bei uns, die die deutsche Sprache studiert hat. Es schloss sich ein abwechslungsreiches Programm mit dem Märchen „Aschenputtel“ als Höhepunkt an. Der Besuch des  Kindergartens folgte. Dort werden derzeit 24 Kinder betreut. Er ist ein Lichtblick für dieses Dorf. Hell, gut funktionierend, richtig Kind gerecht und kuschelig,  mit schönen Schlafräumen und viel, viel Platz zum Spielen. Die Leiterin Sinaida wollte das Programm der Kinder eigentlich mit ihrem Bandoneon (Knopfharmonika) begleiten. Dies war aber defekt. Nun überlegen wir, ob wir für sie im Sommer mit den Ferienkindern ein solches mitgeben können.

 Am Abend folgten wir einer Einladung der Familie Kulaga und trafen dort Lehrerinnen, die bereits einmal bei uns waren. Die Herzlichkeit und Wärme der Gespräche war kaum noch zu toppen.

Das kleine Dorf Neglubka selbst  mit nur noch ca. 700 Einwohnern (früher mehr als 2.000) liegt mehr als 350 km von der Hauptstadt entfernt an der russischen Grenze (2km).                                                           -3-

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Noch immer fahren wir vorbei an vielen Schildern mit dem Atomzeichen, die vor der Nutzung von Feld und Wald warnen. Nur, es hält sich kaum jemand daran. Zu wichtig sind die Felder für die landwirtschaftliche Nutzung und Eigenversorgung durch die Menschen, die nicht im Magazin einkaufen können weil das Geld hierfür fehlt. In den Magazinen selbst sieht es inzwischen wie bei uns aus. Sauber, übersichtlich, attraktiv werden die Waren angeboten. Nur: kaum oder nur wenig Käufer sind zu sehen. Die Preise sind mit unseren vergleichbar. Die Höhe der Einkünfte/Renten der Menschen allerdings, bei hoher Arbeitslosigkeit auf dem Land betragen etwa nur ein Zehntel vom durchschnittlichen Einkommen bei uns in Deutschland.

Die Gegend um Neglubka gehört in der orthodoxen Kirche zu den Altgläubigen.Der Geistlliche, Vater Feodor, war beim Empfang dabei und führte uns später noch durch seine kleine Kirche. Was er zum Ausdruck brachte, könnten wir nicht besser sagen.

Wir sind Gläubige, gleich welcher Konfession, Orthodoxe, Katholische und auch Reformierte. Aber: Wir glauben alle an einen Gott.

 

Manche fragen sich hier wieso die Deutschen bis in den entlegensten Winkel Weißrusslands reisen und sich der Probleme, die hier bestehen annehmen?

W i r  übernehmen als Botschafter unseres Landes eine Rolle, die die große Politik schlichtweg vergisst. oder  „ausblendet“.

Zu 3

Auf der Fahrt nach Paritschi (ca. 250km) machten wir zuerst Station in der Kreisstadt Vetka (Region Gomel). Wir trafen dort ehemalige Ferienkinder, inzwischen erwachsen.  In Vetka besichtigten wir eine neu gebaute Kirche, die bei der letzten Gastelternreise vor fünf Jahren noch gar nicht fertig war. Vor der Kirche steht eine Glocke, die immer zum 26.04. (Tag des SUPER GAU Tschernobyl) angeschlagen wird. Sie mahnt die Menschheit vor der Gefahr der Nutzung der Atomenergie und erinnert zugleich an die Folgen.

Kurz nach Vetka legten wir noch eine Pause ein mit einem Picknick im Freien. Wir saßen in einer dafür gebauten Hütte und verzehrten unseren Proviant.  Natürlich durfte nach Kaffee oder Tee ein ganz kleines Gläschen Wodka nicht fehlen. Unser verlässlicher und vorbildlicher Fahrer Wladimir, der uns vom ersten bis letzten Tag unserer Reise begleitete,  bekam nur Kaffee und Tee.

Am Nachmittag, des 29.03. erreichten wir  Paritschi, an der Beresina gelegen.. Paritschi hat mit kleinen Nachbargemeinden etwa 3.000 Einwohner. Wieder erlebten wir einen überaus herzlichen Empfang. Pawel und Jelena Aniskovetz, die auch für die Einladung zu dieser Reise durch den von ihnen geleiteten gemeinnützigen Verein „Den Kindern von Polesje“ verantwortlich zeichneten, hatten auch hier alles bestens vorbereitet.

Nachdem wir unsere Quartiere bezogen, trafen wir uns abends bei einer Familie mit allen ehemaligen Kindern aus Paritschi, die 2015 bei uns waren.  Was für ein freudiges Wiedersehen.  Die Kinder schwärmen noch heute von den Sommerferien-Erlebnissen in unserer Region.

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S.4      .

Der 30.04. war mit vielen Terminen prall gefüllt. Wir besuchten in der Nähe der Kreisstadt Schlobin das „Kinder-KZ Rotes Ufer“. Über das was wir sahen und hörten,  muss gesondert berichtet werden.

Zu Gast waren wir dann auf extra Einladung beim Bürgermeister von Paritschi. Michail ist 35 Jahre alt und Ingenieur. Er wurde vom Gebietskomitee delegiert und ist erst 1 Jahr im Amt. Gemeinsam mit seiner Sekretärin fand ein sehr offenes Gespräch statt mit Stolz auf Erreichtes, Sorgen, Nöten und Wünschen. Direkt neben Paritschi verläuft schon viele Jahre eine Erdgasleitung. Unendliche Bürokratie verhinderte bis heute eine Einbindung seiner Großgemeinde in das Gasnetz. Ein großes Projekt ist in Arbeit: die Trockenlegung von Sümpfen entlang der Beresina. Michail verwies aber auch auf die hohe Arbeitslosigkeit und damit  beginnende Fluktuation.

Durch Jelena, Pawel und viele freiwillige Helfer wurde in Paritschi ein Kultur- und Jugendzentrum geschaffen. In einem äußerlich eher unscheinbaren Gebäude ist viel los. Computerkabinett, Musikraum, Bastelraum und ein kleiner Saal für Veranstaltungen jeglicher Art. Das Haus ist gut geheizt. Alles ist so erst seit wenigen Jahren in Betrieb und ein wirklich attraktives Angebot. Übrigens wurde Jelena, die Vereinsvorsitzende,  im Jahr 2014 für ihr hohes gesellschaftliches Engagement mit einem „Partschi-Oscar“ geehrt (vergoldete Statuette), der erstmals vergeben wurde.

Im Kulturzentrum fand dann auch der Abschiedsabend statt. Wir waren überwältigt von dem Gebotenen. Ein kleines Fest fand statt. Etwa 80 Kinder und Eltern waren gekommen. Viele Gespräche wurden mit uns geführt und dabei gut gegessen und getrunken. Anschließend wurde gesungen und musiziert.

Russische und deutsche Volkslieder erklangen im Wechsel. Musiklehrer im Unruhestand Pawel  spielte auf dem Bandoneon, Hubert auf  der Mundharmonika viele russische Volksweisen, zuletzt auch einige Abendlieder. Ein herrlicher Abend ging zu Ende, herzliche Umarmungen folgten. So sieht dankbare Freundschaft in Belarus aus.

Am 31.03. dem Abreisetag, früh morgens, weinte der Himmel; am Anreisetag schien erstmals seit Wochen wieder die Sonne in Weißrussland – wir haben wohl so einiges richtig gemacht und sind dafür belohnt worden.

Der Rückflug ab Minsk erfolgte pünktlich. Sicher sind wir nach nur 1 ½ Stunden wieder in Berlin weich gelandet.

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Besuch der Denkmalstätte „Rotes Ufer“ – Kinder-KZ

Selbst wenn der II. Wetlkrieg mehr als drei Generationen oder 70 Jahre zurückliegen, nach dem Besuch der Gedenkstätte ist man innerlich aufgewühlt und fassungslos.

Die Anlage wurde erst 2008 errichtet. Sie wurde in 3 Ebenen gestaltet. Für jedes Jahr des bestehenden Lagers eine Stufe. Es existierte von 1941 – 1944, bis zur Befreiung durch Partisanen. Im Mittelpunkt steht „Das weiße Klassenzimmer“ mit einem Blick auf eine große Schultafel.

 Hier liest man einen durch Zufall in einem Kamin gefundenen, nicht verbrannten Brief. Er wurde von einem 15-jährigen Mädchen an den Vater am 13.03.1943 geschrieben.  (Da war der hier Berichtende gerade 15 Tage auf der Welt).

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Der Inhalt des Briefes berichtet von unvorstellbaren Grausamkeiten der Deutschen.. Sie hatte nur noch einen Wunsch: hier in der Heimat sterben zu dürfen und nicht nach Deutschland deportiert zu werden.

Wussten Sie, dass die Deutschen allein in Belarus 5 Kinder-KZ betrieben? , mit dem einzigen Zweck: Blutreserve.

Blutspende-Aktionen sind allen bei uns hinlänglich bekannt. Nur, was hier geschah verschlägt dem Besucher die Sprache.

In  einem der größten KZ, im Kreis Schlobin, saßen Tausende von Kindern ein. Sie wurden den Eltern weggerissen und in solche Lager gebracht. Hier wurde ihre Blutgruppe festgestellt.  Wer von den 8-14-jährigen Kindern Blutgruppe O und Rh-Faktor positiv hatte, gehörte zu den „Wertvollen“. Diese waren universell einsetzbar. Sie wurden ausgeblutet bis sie starben. Dann wurden sie nach Lesart der Besatzer „geröstet“, d.h. auf offenem Feuer verbrannt  bzw. im Heizhaus des Lagers.

Die weniger wertvollen  wurden selektiert und gleich umgebracht.

Wozu brauchte man das Blut der Kinder ?  Sie waren die Blutspender für die verwundeten deutschen Offiziere und Soldaten!  Was sich Hitler und seine Militärführung da erdachten, kann an Perversion nichts mehr übertreffen. Das Blut russischer Kinder, die dann sterben mussten, für das Überleben der kriegführenden Deutschen.

Diese internationale Gedenkstätte, die einzige ihrer Art in ganz Europa, wurde inzwischen von weit mehr als 1,5 Millionen Menschen aus fast allen Ländern des Kontinents besucht.

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Unser herzlicher Dank geht an unsere liebe Freundin Soja Petrowna Jurowa für die perfekte Organisation und die Begleitung während des gesamten Aufenthaltes. Sie machte unseren Besuch erst zu  d e m  Erlebnis.

Soja führte die Kinder aus Weißrussland von 1991 – 2002.

                                                           -Ende-

 

Unser Anliegen ist Kindern in Belarus, die krank oder bedürftig sind, zu helfen  und allein das bleibt unser Handlungsmotiv.

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Soweit meine Erinnerungen an eine wunderbare Reise.

Brigitte und Hubert Pfennig sind übrigens seit 1991 dabei und damit die dienst ältesten Aktiven.

Wenn Sie Fragen haben, kann ich diese gern noch beantworten.

 

Mit freundlichem Gruß

Hubert Pfennig                              

 

Zu erreichen: Tel: 035752 2198 (AB), Fax 035752 509032   + Mobil  01702440698

 

 

 

 

 

 

 

 

Gastelternreise nach Weißrussland vom 23.04. bis 01.05.2011

aus Anlass des 25. Jahrestages des Tschernobyl Unglückes

EIN BESUCH BEI FREUNDEN

 

 

Sonnabend:

Abfahrt: Berlin Hauptbahnhof am 23. April um 15.34 Uhr im Liegewagen

Sonntag:

 

Minsk- Ankunft

In Minsk auf dem Hauptbahnhof kamen wir am 24. April um 13.35 Uhr an.
Trotz 100 min Verspätung wurden wir von Soja und Andre´ erwartet.
Für die Fahrt zum Hotel „Tourist“ hatte Andre´ 2 Kleinbusse bestellt.
Durch die Vielzahl unserer Gepäckstücke wäre eine Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln sehr problematisch.

 

Nach dem Hotel-Einchecken wurde der Nachmittag zur Erholung (meist Besuch des
Kaufhauses, Geld wechseln: Kurs 1€= 4 500 BRL und/ oder Kaffee trinken) genutzt.

Um 18 Uhr holten uns Soja und Andre´ am Hotel ab. Mit der Metro fuhren wir zum Staatszirkus. Er befindet sich in einem runden, neu renovierten Gebäude, das sowohl außen als auch innen einen grandiosen Eindruck hinterließ. Der wurde nur noch von der Vorstellung selbst getoppt. Wir sahen artistische Darbietungen der Spitzenklasse.

 

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Gegen 22 Uhr trafen wir im Restaurant neben der Kathedrale ein. Andre´ hat einen Raum für uns bestellt. Am mit weißrussischen Spezialitäten reichlich gedeckten Tisch verbrachten wir den Begrüßungsabend auf das Beste.

 

Montag:

Minsk

Nach dem Frühstück holten uns Soja und Andre´ um 10 Uhr zur Stadtbesichtigung ab. Sie begann auf dem Leninplatz mit Blick auf das Regierungsgebäude, die Universität, die katholische Kirche und das Postamt. Beim Spaziergang besuchten wir kurz den katholischen Gottesdienst, das sehr sehenswerte Postamt und die orthodoxe Kathedrale. Auf der Rückfahrt zeigte uns Soja den Ort in der Metro, wo das Bombenattentat stattfand. Wir waren erstaunt darüber, dass bereits alle Spuren beseitigt waren. Beeindruckend war die Gedenkstelle am Eingang der Metrostation Oktjaberskaja, wo große Fotos der 12 Opfer blumengeschmückt an das Verbrechen erinnern.

 

Nachmittags kauften wir Lebensmittel (Würstchen, Salami, Schinken, Käse, Brot …) für das Treffen mit den Eltern und Kinder in Neglubka im Univermag ein.

 

Treffen mit Kindern und Eltern der 1. Kindergruppe 1991

Für den Abend hat Soja ein Treffen mit Kindern und Eltern der 1. Reisegruppe vorbereitet. Dieser Reisehöhepunkt war für alle sehr nachhaltig. Soja und Renate erzählten, wie 1991 unsere Tschernobylkinderaktion begann. Das älteste Mädchen der Gruppe, Diana, heute 34 Jahre alt und das damals mit 7 Jahren jüngste Kind - Andrej und seine Mutter, aber auch alle anderen Teilnehmer erzählten, was sie vor der Fahrt nach Deutschland fühlten, wie es ihnen heute geht und welche Erinnerungen sie an Deutschland haben. Auch alle Deutschen berichteten kurz, wann und wodurch sie zur Tschernobylkinder-Initiative gekommen sind.

 

Höhepunkte des Abends waren die Aufnahme von Soja Jurowa als Ehrenmitglied im Verein, die Einladung von Dianas Tochter (bereits 12 Jahre) für den Sommer 2012, viele herzliche Wünsche und natürlich Gruppenfotos.

 

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Dienstag:

Wetka - Neglubka

An diesem Tag wollte unsere Reisegruppe unbedingt an der Kundgebung zum Gedenken der Opfer von Tschernobyl in Wetka teilnehmen. In Wetka, Kreisstadt von Neglubka und Wohnort der Kinder der ersten Kindergruppen, nahm bereits vor 5 Jahren eine Delegation von uns an der Gedenkveranstaltung zum 20. Jahrestag teil.

 

26. April - 25. Jahrestag des Tschernobyl Unglückes

Die Kundgebung fand um 11 Uhr statt. Darum begann unser Tag sehr zeitig.
Um 6 Uhr saß die Reisegruppe im Kleinbus und das zahlreiche Gepäck war im Anhänger verstaut. Unser Busfahrer fuhr zügig. Das Picknick im Walde wurde auf eine halbe Stunde beschränkt und so kamen wir fast pünktlich an. Hier wurden wir von 3 Familien der 1. Jahre begrüßt (Allelujewa, Schitikowa und Solomennij).

 

Nach dem offiziellen Teil der Kreisverwaltung (Festansprache, Kinderprogramm und Beitrag der Geistlichen) bildeten wir unseren Kreis. Mit den von Heinrich Losch gestalteten Teelichten gedachten wir nach einer kurzen Ansprache in Russisch - (Der Dank dafür gebührt Frau Hannuschka-Horst, die diese im Russischkurs vorbereitete.) - den Opfern von Tschernobyl aber auch von Fukushima.

 

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Danach ergänzten wir die Einkäufe von Minsk noch durch Obst und Gemüse aus Wetka, da wir wussten, dass das in Neglubka so nicht zu erhalten war.

 

Auf der Fahrt nach Neglubka gab es einen Halt am Eingang in die radioaktive Zone. Das Grenzhäuschen gibt es noch. Es ist aber nicht mehr besetzt wie noch 2001 und 2003, da die Regierung festgelegt hat, dass die Radioaktivität auf unbedenkliche Werte zurückgegangen ist.

In der Schule Neglubka wurden wir bereits erwartet. Bereits auf dem Schulhof begrüßten uns die Kinder, die bereits bei und zu Gast waren. In einem Klassenzimmer wurden wir empfangen, bewirtet und mit den Gastfamilien bekannt gemacht. Dann fuhr uns unser Bus in unsere Unterkünfte.

 

Mit unseren Gastgebern spazierten wir am Abend durch das Dorf zur Schule. Dabei wurde uns voller Stolz gezeigt, was in den letzten 3 Jahren neu in Neglubka gebaut wurde. Durch einen Staatskredit wurde die Schule, der Kindergarten, das Jugendhaus, die Poliklinik und eine Straße saniert. Etwa 15 neue Häuser wurden gebaut, in denen hauptsächlich Umsiedler aus den Kriegsgebieten um Afghanistan und dem Kaukasus wohnen.

 

Treffen mit Eltern und Kindern der Reisegruppe von 2010 und 2011

In der Schule wurden die Tische des Speiseraumes von den Müttern unserer Gastkinder mit den von uns mitgebrachten Lebensmitteln gedeckt. Anwesend waren die Eltern und Kinder der letzten und der neuen Tschernobyl-Kindergruppe sowie wir und unsere weißrussischen Gastgeber.

 

Der Abend begann mit der Ansprache zum Gedenktag. Alle Anwesenden erhoben sich zu einer Schweigeminute. Danach wurde die von Friderun Losch gestaltete Kerze der Schulleiterin für das Schulmuseum übergeben.

 

Wichtig für uns war das Vorstellen der 10 Kinder aus Neglubka, die in diesem Jahr an der Sommeraktion in Frauendorf teilnehmen werden. Die Mütter haben die Gelegenheit genutzt, um Geschenke an ehemalige und zukünftige deutsche Gasteltern zu überreichen, oft mit der bescheidenen Bitte verbunden, gut auf die Kinder zu achten. Hier spürten wir das große Vertrauen der Eltern, die ihre Kinder auf einen so weiten Weg in eine für sie fremde Welt zu schicken, in uns.

 

Mit persönlichen Gesprächen in den Familien endete dieser lange und erlebnisreiche Tag.

 

Mittwoch:

Neglubka

9.00 Uhr - Kirche

Entsprechend dem Landesbrauch setzten alle Frauen ein Kopftuch auf, bevor die Gruppe die kleine aber feine Dorfkirche betrat. Wir waren sehr angenehm überrascht, als uns Oitjez Fedor im Kirchengewand mit einer für uns vorbereiteten persönlichen Ansprache begrüßte. Mit seinen Familienmitgliedern hielt er danach für uns einen Gottesdienst und segnete uns abschließend durch Auflegen des Kreuzes. Er bat uns Grüße von Kirche zu Kirche zu überbringen und gab uns für die Kirche Frauendorf eine kleine Ikone mit.

 

9.50 Uhr - Kindergarten

Die Kindergartenleiterin begrüßte uns bereits vor dem Haus. Bei einem Rundgang, an dem auch der Bürgermeister teilnahm, sahen wir uns das renovierte und geräumige Haus an. Für 20 Kinder im Alter von 1 bis 6 Jahren stehen 16 Erzieherinnen und Mitarbeiter des technischen Bereichs zur Verfügung!

 

Die Kinder präsentierten sich in einem reizenden Programm durch ein Theaterstück, Liedern und Tänzen. Anschließend wurden wir mit Torte und Häppchen bewirtet.

 

11.50 Uhr - Schule

In der Schule empfing uns die Schulversammlung in der hinteren Pausenhalle. Christina Saraseko - Schülerin der 10. Klasse und zweimal unser Gastkind - begrüßte uns traditionell mit einem Brot auf dem Ruschnik. Nach den Begrüßungsworten der Schulleiterin erhielt jeder Gast ein weißrussisches Holzei und die Schulkinder gestalteten ein Programm für uns. Sehr viele der 90 Schüler in den 11 Klassen waren uns durch einen Ferienaufenthalt bekannt. Nach dem Mittagessen aus der Schulküche gingen wir „nach Hause“.

 

16.00 Uhr - Verteilen der Spenden der Kirchgemeinde Lauchhammer

Für bedürftige Familien hat die Kirchgemeinde Lauchhammer Geld zum Verteilen mitgegeben. So besuchten einige Personen unserer Gruppe:

 

Чумак Аня, Гавриленко Мария, Парфенова Наталья, Демчихина Наталья, Семья Пермолотовых, Семья Леуто, Азизов Алик, Семья Бруховецких, Белендык Татьяна, Шаблинская Наталья, Шилай Наталья, Мищенко Елена, Жук Татьяна, Хрущев Андрей und Шаршова Оксана

 

Hier sahen wir, wie wichtig unsere Hilfe ist und wir waren froh, etwas Freude bereiten zu haben.

 

19.00 Uhr - Treffen mit den Lehrerinnen

Am Abend waren wir wieder in der Schule, diesmal auf Einladung der Lehrerinnen.

 

Donnerstag:

Gomel - Paritschi

9 bis 10 Uhr - Abschied in Neglubka

Nach einer Vorführung im Webraum der Schule - hier erlernen die Mädchen die für dieses Gebiet berühmten Handwebmuster, hatten wir einen langen Abschied von „unseren“ Kindern und Gastgebern.

 

Bei der Fahrt durch Wetka kamen wir an der Gedenkstelle vorbei. Wir freuten uns, dass unsere Kerzen noch da waren.

 

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Auf dem Weg nach Paritschi machten wir Halt in der Bezirksstadt Gomel. Hier leben rund 500 000 Menschen. Wir spazierten im Schlosspark und bummelten im Kaufhaus. Bei herrlichem Wetter hatten wir danach am Waldrand ein gemütliches Picknick.

Ankunft in Paritschi

 

Pünktlich um 18 Uhr erreichten wir Paritschi. Pawel und Elena Aniskowetz begrüßten uns herzlich. Elena begleitete uns dann zu den Häusern unserer Gastfamilien. Hier verbrachten wir den Abend bei sehr reichhaltigen Abendessen.

 

Freitag:

Paritschi

10 Uhr - Kirche

Auch in Paritschi begann das Besichtigungsprogramm in der Kirche. Hier erlebten wir einen Gottesdienst in der Osterwoche.

 

Jugendhaus

Sehr interessiert waren wir beim Besuch des Jugendhauses, das sich seit mehreren Jahren durch Elena und Pawel Aniskowetz sowie ihrem Freundeskreis im Aufbau befindet. Stolz zeigten sie uns die Ergebnisse ihrer sehr fleißigen Arbeit. Der Fußboden, die Decke und die Elektrik in der unteren Etage sind fertig. Die neue Heizung funktioniert. Im oberen Geschoss ist bereits vorgerichtet. Möbel, die aus einer Spendenaktion aus Deutschland stammen, warten bereits auf die Fertigstellung.

 

Kulturhaus

Im Kulturhaus begrüßte uns die stellvertretende Leiterin. Sie war Renate Kolata noch gut bekannt, da sie in Frauendorf Gastkind war. Wir waren von dem prächtigen Gebäude und den ausgezeichneten kulturellen Möglichkeiten, die die Bevölkerung hier hat, sehr beeindruckt.

 

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Kindergarten

Im Kindergarten führte uns die Leiterin durch liebevoll gestaltete Räume, in denen wir uns von der niveauvollen Kinderbetreuung überzeugen konnten. Bedarf besteht an Bettwäsche und einer Nähmaschine.

 

Haus der Jugend

Nach dem Mittagessen in einem Restaurant und einer kurzen Freizeit trafen wir uns am späten Nachmittag im Haus der Jugend. Die Leiterin der Einrichtung begleitete uns auf einem Rundgang durch ihr Haus. Wir erhielten einen Einblick in die vielfältigen Freizeitangebote, die den Schulkindern bis zur 11. Klasse kostenlos zur Verfügung stehen. Pawel und Elena arbeiten hier als Arbeitsgemeinschaftsleiter.

 

Hier wurden uns die 10 Kinder, die aus Paritschi im Sommer zu uns kommen, vorgestellt.

Im Theatersaal des Hauses erwarteten uns bereits Kinder und ihre Eltern zu einer Feierstunde. Elena hielt eine Festansprache, bei der sie über die Entwicklung unserer Beziehungen berichtete und Familien ehemaliger Kinder vorstellte.

 

14 ehemalige Gastkinder sangen für uns „Katjuscha“ und zwei kleine uns noch unbekannte Kinder (Die Familien erhielten eine Geldspende der Kirchgemeinde Lauchhammer) hatten einen gelungenen Soloauftritt.

 

Dann wurden alle zum gemeinsamen Abendessen eingeladen. Mit kleinen Ansprachen (vor allem Renate Kolatas Worte waren sehr bewegend) und lustigen Tanzspielen ging der Abend für alle sehr vergnüglich weiter.

 

Sonnabend:

Fahrt nach Minsk

Der Abschied in Paritschi versammelte noch einmal alle Kinder und ihre Eltern auf dem Busplatz. Mit guten Wünschen und vielen Geschenken ausgestattet fuhren wir gegen 10 Uhr ab. Bei einem reichhaltigen Picknick verabschiedeten wir uns offiziell bei unseren weißrussischen Begleitern, Soja, Andre’ und den beiden Busfahrern und dankten ihnen für ihre Unterstützung. Ohne ihre Hilfe wäre diese Reise für uns nicht durchführbar.

 

Um 15.39 Uhr waren wir wieder im Zug. Auf der langen Heimreise hatten wir uns viel zu erzählen und wir haben uns über unsere Eindrücke ausgetauscht.

 

Der Satz: „Weltanschauung kommt von Welt anschauen.“ ist mir dabei in Erinnerung geblieben.

 

Sonntag:

Ankunft 8.43 Uhr auf dem Hauptbahnhof in Berlin