normale Schrift einschaltengroße Schrift einschaltensehr große Schrift einschalten
 
Link verschicken   Drucken
 

Geschichte und Beschreibung

Nach der Wende wurde per Zeitungsartikel nach Möglichkeiten gesucht, um Kindern aus der
durch das 1986 stattgefundene Tschernobylunglück betroffenen Zone einen Ferienaufenthalt
zu verschaffen. Das Ehepaar Kolata, Herr Kolata war damals Pfarrer der Kirchgemeinde
Kroppen/Frauendorf, wurde dadurch angeregt und erklärte sich bereit Kinder aufzunehmen.
So kam im Sommer 1991 die erste Kindergruppe unter Leitung von Frau Soja Jurowa nach
Kroppen. Die Kinder wurden sehr gut aufgenommen und erholten sich gut. Es entwickelte
sich ein jährlich stattfindendes Besuchsprogramm unter der Trägerschaft der Kirchgemeinde.
Durch den Bau des Gemeindekirchenhauses in Frauendorf im Jahr 1993 verbesserten sich
auch die räumlichen Bedingungen.


In den folgenden Jahren haben – so wie viele Einrichtungen, Firmen, Betriebe, Privatpersonen
und Familien - auch Schüler, Eltern und Lehrerinnen der Grundschule Großkmehlen der
Kirchgemeinde Kroppen/Frauendorf bei der Betreuung der Tschernobylkinder geholfen. So
waren die weißrussischen Kinder dann Gäste unserer Schule. Bei diesen Gelegenheiten wurde gemeinsam gesungen und es wurden Geschenke ausgetauscht. Unsere Schüler erfuhren aus erster Hand, wie sich das Tschernobylunglück für das Gebiet, in der die Gastkinder wohnen, ausgewirkt hat.

 

Da diese Region immer noch radioaktiv stark belastet ist, ist das Ziel der Urlaubsreise, diesen Kindern einen erholsamen Aufenthalt in gesunder Umgebung verbunden mit gesunder Ernährung zu ermöglichen. Natürlich ist der Besuch Deutschlands darüber hinaus ein Erlebnis, auf das sich unsere kleinen Gäste stets freuen, kommen sie doch aus einem anderen Kulturkreis und sind neugierig darauf zu sehen, wie die Deutschen leben.


Viele Familien unterstützten durch Sach- und Geldspenden die Gastkinder.
Als es Probleme mit der Trägerschaft gab, beschloss die Schulkonferenz der Grundschule
Großkmehlen 2002 die Aktion als Bestandteil des Schulprogramms in Form einer Schulpartnerschaft mit der Schule in Neglubka (Dorf im Bezirk Gomel mit ca. 100 Schulkindern) weiterzuführen und organisierte das in der Regel vierwöchige Ferienlager für ca. 20 Kinder. Mit Unterstützung des Amtes Ortrand ist es auch in den weiteren Jahren gelungen jedes Jahr eine Gruppe einzuladen. 2003 und 2004 waren die Tschernobylkinder Gäste in Lindenau, 2005 und 2006 in Kroppen, 2007 und 2008 in Ortrand.

 

Bürokratische Hürden bzw. bauliche Vorschriften verhinderten jeweils einen häufigeren Aufenthalt in den Unterkünften. Positiv aber war die Unterstützung durch einen großen Freundeskreis, ohne dessen tatkräftige und solidarische Hilfe die Ferien für die Kinder nicht hätten durchgeführt werden können.


2009 kehrte die Aktion zu ihren Wurzeln zurück und die Kinder wurden wieder von der
Kirchgemeinde Kroppen/Frauendorf und der Gemeinde Frauendorf aufgenommen. Im
gleichen Jahr beschloss der engere Freundeskreis einen eingetragenen Verein zu gründen. Die
Organisation und Finanzierung der Tschernobylkinderaktion mit den Aufgaben:


• Organisation von Erholungsaufenthalten (jährlich werden etwa 20 Kinder täglich versorgt,
betreut und erleben ein anspruchsvolles Begleitprogramm, bei dem sie unsere Gegend und das Leben in deutschen Familien kennen lernen)


• Organisation von gesundheitsfördernden Maßnahmen (Untersuchungen durch die Ärztin
Frau MR Saffert zu Beginn und am Ende des Erholungsaufenthaltes, zahnärztliche Behandlung aller Kinder)


• Organisation von Hilfstransporten (Weihnachten 2008 und 2009, Ostern 2009 und im
Sommer 2009, bei denen insgesamt etwa 350 Bananenkartons von Gasteltern und Freunden gepackt und durch die Wequa e. V Lauchhammer zur Sammelstelle nach Hildesheim
transportiert wurden und Transportgebühren von rund 3 500€ aufgebracht werden mussten)

 

• Kontaktpflege und Gastelternreisen (Ein fester Kreis von Gasteltern nimmt die Kinder an den Wochenenden auf. Besuche bei den Familien der weißrussischen Kinder gab es 2001, 2003, 2006, 2008 und wird es 2011 – 25 Jahre nach dem Unglück – geben.) wurde mit zunehmenden Aktivitäten für unsere doch recht kleine Schule zu aufwendig.


So wurde im November 2009 der Tschernobylkinder-Hilfeverein e. V. gegründet mit der Absicht die Tschernobylkinderaktion in der Tradition der Gründer weiterzuführen. Die Aktion bleibt ein Bestandteil des Schulprogramms (siehe Programm der Schulpartnerschaft) und ist ein wichtiges Mittel bei der Umsetzung unserer Erziehungsziele. Die deutschen Schulkinder erfahren vom Leben in Weißrussland – es gibt auch einen Russischclub -, lernen Solidarität kennen und erfahren bei gemeinsamen Veranstaltungen und Wandertagen viel Verbindendes. Immer wieder gut und schön ist es zu beobachten, wie den Kindern, aber auch vielen Erwachsenen das „Freude schenken“ selbst Freude bereitet.